Rückblick Lac de Tignes 2017

Erwachsenenfahrt
Lac de Tignes – Val d’Isère
Frankreich, 09.12.2017 – 16.12.2017

Wir hätten erkennen können, dass die Warnlampen schon auf Orange standen, als wir uns nach Kurtekotten aufmachten, dem Startpunkt für die Fahrt nach Lac de Tignes, in den französischen Alpen.  Am Vorabend hatte es bis in die Leverkusener Tiefebene geschneit und so war die Anfahrt über zu früher Morgenstunde noch ungeräumte, verschneite Straßen und vereiste Brücken ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns erwarten würde.  Die Ski Box wurde mit neuestem und probatem Equipment gefüllt, die Koffer waren schnell verstaut und schon ging es los Richtung Süden.  Südlich des Taunus war man vom Schnee verschont geblieben und wir kamen zügig über die Schweizer Autobahnen nach Frankreich.  Hinter Albertville ging es stetig bergauf, die Straßen waren wieder schneebedeckt, aber wir schafften es, unser angestammtes Hotel ohne Kettenmontage zu erreichen.  Der Ort war weihnachtlich beleuchtet und Serge und Nadja, die Inhaber des Hotels begrüßten uns herzlich.  Für einige von uns war es ja nicht der erste Besuch.  Nach einem Willkommens-Cocktail gab es den Einstieg in die französische Küche (in der Regel 5-Gänge, einmal Käsefondue Savoyarde), die Weinkarte bot die rechte und angemessene Begleitung dazu.  Ach ja, zwischen Amuse Bouche (im Rheinland bekannt als der ‚Gruß aus der Küche’) und Dessert fing es an zu schneien.  Beim Frühstück schneite es immer noch, was uns aber nicht bremste, zunächst mal auf dem Übungshang hinterm Haus die Beine und Hüften zu lockern und gleich hiernach in höhere Gefilde vorzudringen. Nun liegt Lac de Tignes schon auf 2100 m Höhe und der schnelle Aufstieg von der Rheinebene auf knapp 3000 m nach weniger als 24 Stunden Akklimatisationszeit war für den Autor etwas flott und Symptome der Höhenkrankheit machten sich bemerkbar.  Unsere Gruppe hielt trotz anhaltendem dichten Schneefall und eisigem Wind toll zusammen bis wir alle wieder sicher im Hotel waren.  Die Akklimatisation bei Kaffee und Rosinenschnecken am Nachmittag hatte Wirkung und Erfolg und so hielt uns am zweiten Tag nichts davon ab, uns nach einem ausgiebigen Frühstück zu den Liften aufzumachen.  Wir waren am frühen Morgen (die Langschläfer quasi mitten in der Nacht) von den Lawinensprengungen geweckt worden und, da es übrigens immer noch schneite und die Pisten noch nicht überprüft worden waren, hatte man die Lifte vorsorglich erstmal nicht in Betrieb genommen.  Die Gemeinde versorgte die wartenden Skifahrer mit heißem Kaffee und Tee bis der erste – und wie sich herausstellen sollte – an diesem Tag der einzige Lift geöffnet wurde.  Es schneite weiterhin fast unaufhörlich und jeden Morgen am Frühstückstisch, wo sich manchmal der Duft von frischem Kaffee und frischen Croissants mit dem strengen Odeur von Pferdesalbe mischte, wurden die Vorhersagen der verschiedenen Wetter Apps verglichen und spekuliert, an welchem Hang es eventuell weniger Schneefall oder gar Sonne geben würde.  Mittwoch hörte es auf zu schneien und wir nutzen die vier (großzügig gerundet) Sonnenstunden bis zum Cold’Iseran, dem höchsten befahrbaren Gebirgspass der Alpen und einem der gefürchteten Pässe der Tour de France und nach Val d’Isère vorzudringen.  Auf dem Weg ermöglichte der klare Himmel phantastische Ausblicke auf den Mont Blanc und den Pissaillas Gletscher.  Der später wieder einsetzende Schneefall und frühzeitige Rückkehr mancher Teilnehmer hatte auch etwas Gutes für die Sportgeschäfte. In Kombination mit großzügigen Rabatten half er deren Bekleidungslager zu räumen.  Das stellte uns am nächsten Tag vor die Herausforderung, auf der Piste nach andersfarbigen Outfits mancher Gruppenmitglieder Ausschau halten zu müssen, um sie nicht zu verlieren.  Schneefall regte auch den Verkauf von immer wieder neuen Wachsen und Sprays für die Skier an, um für die Unbillen des Wetters und die jeweiligen Pistenverhältnisse optimal präpariert zu sein.

Eine Neuentdeckung sollte das vermeintliche irische Pub mit Livemusik ‚Le Shamrock’ werden.  Shamrock, das Kleeblatt, ist ja das inoffizielle Nationalsymbol Irlands. Als wir im Le Shamrock um Einlass baten, erklärte man uns, dass dies kein Pub, sondern ein Hotel sei.  Wir verzichteten darauf, eine im Foyer zufällig anwesende Irin zu fragen, ob sie für uns singen könnte.  Glücklicherweise gab es 100m weiter ein englisches Pub, das zwar Livemusik nur in der Hauptsaison bietet, wo aber Bier vom Fass in Pitchers (2,2l Krügen) zum Happy Hour Preis ausgeschenkt und aus Pint Gläsern getrunken wird.  Die Happy Hour dort erstreckt sich großzügig von der Zeit, zu der die Lifte schließen bis 22Uhr.  Das haben wir natürlich nie ausgenutzt, sondern sind stets pünktlich um 19h30 zum Diner im Hotel erschienen. Aber zurück zum Skilaufen – der andauernde Schneefall ermöglichte Tiefschneefahren abseits und, da man mit der Präparation der Pisten nicht nachkam oder es nicht für nötig hielt, auch auf den Pisten.  Die Temperaturen stimmten und so waren die Abfahrten genussvoll und ‚erste Sahne’. Martins (unser Fahrtenleiter) hervorragende Ortkenntnisse haben uns zu immer wieder neuen (und die ambitionierteren unserer Gruppe zu herausfordernden) Pisten und sicher zurückgeführt.

Unser Hotel verfügte über einen Wellnessbereich mit Schwimmbecken, Whirlpools, Dampfbad und Sauna und so konnten wir die ermatteten Körper abends gut entspannen. Für manchen aber etwas stressvoll, sich nach der Entspannung für die Aperitifs und das Diner noch in Schale zu werfen.  Nach der Gesichtsmassage durch Schnee, Wind und teilweise Hagel brauchte frau aber kein Rouge mehr aufzulegen.

Insgesamt hatten wir nur rund sieben Sonnenstunden in dieser Woche und teilweise mehr Schnee und Nebel als uns lieb war.  Dennoch stimmte unsere Gruppe zum Abschied mit Serge beim ‚à la prochâine’ – bis zum nächsten Jahr überein. Das Packen des Busses für die Rückfahrt stellte trotz der vielen Einkäufe keine besondere Herausforderung dar.  Käseeinkäufe wurden natürlich auf dem Dach in der Ski Box deponiert.  Die Rückfahrt – auch wieder ohne Schneeketten – verlief reibungslos und wir brauchten die in Kurtekotten geparkten Autos nicht mal vom Schnee zu befreien.

P.S. Nächstes Jahr plant der Ski-Club Bayer die 50. Reise nach Lac de Tignes mit seinem wunderschönen Skigebiet.  Es wäre toll, wenn sich für das Rekordjahr eine Rekordzahl Teilnehmer für diese Fahrt begeistern würde.

2018-01-25T12:37:17+00:00 Dezember 18th, 2017|